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Samstag nacht. Kurz nach Zehn. Die Sportschau fängt gleich an, das Kino ist aus, die Tanztempel der Großstadt schalten ihre Lichter ein, die Menschen sind entspannt und fröhlich. Nur aus einer spärlich erleuchteten alten Halle in Hamburg-Wilhelmsburg dringt ein böser Fluch über das ruhige Wasser des angrenzenden Kanals: "Autsch, verdammte Sch*, jetzt bin ich schon wieder abgerutscht, diese Mistkarre!" Nanu? Was passiert hier? Man sieht zwei, drei frierende Gestalten, die versuchen, mal eben auf die Schnelle die hinteren Bremsen in ein ziemlich altes Auto einzubauen. Um diese Zeit? Rückblende: mittags, so kurz nach zwei, kommt ein `65er Amazon auf den Hof gerollt. "Hör mal, was knarzt denn da hinten so beim Bremsen?" "Kein Ahnung, da müssen mal eben die Trommeln 'runter, dann sehen wir das schon" "Ich hab' aber nicht viel Zeit" "Ich auch nicht, das geht aber schnell, in zwei Stunden bist Du wieder auf der Straße". Gesagt, getan. Doch leider läßt sich eine Trommel trotz passenden Abziehers auch durch gutes Zureden nicht von der Stelle bewegen, die Beläge sind dünn wie Messerklingen und die Montageteile haben ihre beste Zeit zur Geburt ihres Besitzers gehabt. Nachdem alles irgendwie demontiert ist und von irgendwoher einige brauchbare Ersatzteile aufgetaucht sind, läßt sich bewußte Bremstrommel nicht festschrauben - die Gewalteinwirkung vieler Hammerschläge hat das Gewinde des Achsstummels nachhaltig beeindruckt - was soll's, ein Gewinde kann man nachfeilen. Mittlerweile sitzen daheim Ehefrauen alleine beim Essen, Kinder wachsen ohne ihren Vater auf und Freundinnen suchen sich einen Liebhaber... doch es kümmert niemanden. Erst muß die Fuhre wieder rollen. Das bringt uns zu Szenerie am Anfang zurück. Warum tun die sich das an? Weil es Spaß macht! Weil die Menschen in dieser Werkstatt, die sich mit Stolz "Volvoniacs" nennen, die Volvo-Verrückten, eine offene und freundlich gesinnte Art sind, die Freude an ihren Mitmenschen und deren alten Blech hat und niemanden wieder ziehen lassen, ohne sich um die kleinen und großen Probleme des edlen Altmetalls gekümmert zu haben. Keine Probleme? Kein Problem! Trinkt man halt ein Bier zusammen und philosophiert über alles, was einem so in den Sinn kommt.
Ich gehöre nun seit 1997 zur Stammbesatzung der Volvoniacs, die als Betreiber der Volvo-Oldtimer-Werkstatt in der Honigfabrik anderen Alt-Volvo-Fahrern eine Gelegenheit zu sachgerechter Reparatur in Selbsthilfe gibt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich habe nicht nur eine Heimat für meine Leidenschaft gefunden, sondern auch Freunde für's Leben. Und so ganz nebenbei finde ich immer wieder die Zeit für meine eigenen Projekte - die rolling restauration meines täglich gefahrenen Amazon und die demnächst beginnende Vollrestauration eines ganz besonderen Duetts - Grisu genannt - aber das ist eine eigene Geschichte auf der Schicksalsseite wert. Also: wenn ihr einen alten Volov fahrt, schaut doch einfach mal bei uns rein! Ob mit Problemen oder ohne, ob Zustand 1 oder gerade nochmal durch den TüV, ob originalgetreu oder tiefergelegt - ihr seid herzlich willkommen! - Holger |