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Wie es anfingFür die runden Formen alter Autos habe ich eigentlich schon immer
geschwärmt. Während der Schulzeit fand diese Vorliebe allerdings
nur im Bau von Modellautos ihren Niederschlag, besonders die Chevrolets
hatten es mir angetan.
![]() Während des Studiums sparte ich erst einmal eine ganze Weile, in den Semesterferien läßt sich ja ganz gut Geld verdienen. Der VW 1600 meines Freundes und Kommilitonen Olaf war ja ganz niedlich, aber eben auch nur eine Art Käfer. Ich studierte regelmäßig die Oldtimer-Markt, hatte die Volvos aber eigentlich als zu teuer und zu sportlich(!) aussortiert und suchte eigentlich nach Opel oder Ford - im Nachhinein schaudert's einen doch leicht. Nichts für ungut, aber nicht umsonst waren die Volvos bereits beim Erstverkauf in einer anderen Preisklasse. Der AmazonNun kommt aber meine liebste Regine ins Spiel, auch das Schicksal spielte eine gewisse Rolle. Als Regine nämlich eines Abends im September 1990 eine Freundin nach Hause fuhr, entdeckte sie den (bis heute namenlosen) Amazon an Straßenrand - laut Schild zu verkaufen für DM 6500,- mit Ersatzteilen. Sehr schmuck sah er aus, in Californiaweiß (nicht ganz der Volvo-Originalfarbton 72), mit roter Innenausstattung - ein Traum, Baujahr 1966 wie ich. Flugs war ein Termin zur Probefahrt abgemacht, über die rupfende Kupplung tröstete mich Laien der Verkäufer mit flotten Sprüchen hinweg. Da ich eigentlich nur 5000 Mark ausgeben konnte, verhandelte ich zäh - und bekam das, was man für die gezahlten 5500 DM im Mittel erwarten kann... ![]() Der Amazon ist ein 122 S, Fahrgestellnummer 2 197 928, Erstzulassung 6. Juli 1966, B 18 D mit 86 PS / 63 kw. Die Studienzeit - Stammtisch und WerkstattgruppeWie die meisten Leute hatte ich mich nicht vorher bei einem Volvo-Club schlau gemacht, worauf man so achten sollte, sondern suchte erst jetzt Kontakt zu Gleichgesinnten und gesellte mich dem Hamburger Volvo-Stammtisch zu. Das war auch ganz gut so, denn auf einem der Stammtische lernte ich Walter Maenner kennen, der mir von seinen Plänen für eine Werkstattgruppe in der Honigfabrik erzählte. Das kam mir gerade recht - schrauben lernen mit Anleitung, mithelfen statt viel bezahlen, gemeinsame "Hilfe zur Selbsthilfe". Natürlich wurden im Laufe der Jahre einige Reparaturen fällig - die Bremssättel vorn, Radbremszylinder, der Radhausholm rechts, die Querholme, die Seitenabschlußbleche des Fußraums, Überholung der zwei SU-Vergaser durch einen Fachbetrieb, Austausch der Schweller, Umbau auf Drehstrom-Lichtmaschine und Seilzugkupplung, Austausch der Kreuzgelenke an der Kardanwelle, etc. Das meiste erledigte ich in Eigenregie oder mit Hilfe von Freunden, in der Honigfabrik hatte und habe ich ja alle Möglichkeiten dazu. Alleine, ohne die Motivation, Tips und Hilfe der Mitschrauber, hätte ich den Amazon niemals durchgebracht. So ganz perfekt wurden meine Werke zwar nicht, aber ich hatte Spaß dabei, es funktionierte und ich konnte mir den Wagen trotz des Studiums leisten.
Die Zeit hätte man allerdings auch ins Studium stecken können, denn neben der Zeit für das eigentliche Autobasteln erledigte ich noch zwei Jahre lang die Buchhaltung für die Werkstattgruppe, führte umschichtig mit den anderen Gruppenmitgliedern Aufsicht in der Honigfabrik und half bei den gemeinsamen Renovieraktionen in der von uns genutzten Halle (neue Fenster, neuer Fußboden, Wände instandsetzen und streichen etc.). Seit Anfang 1994 kam dann auch noch der monatliche Infozettel für den Volvo-Stammtisch, das Volvo-Pinbrett, dazu, aus dem übrigens diese Seiten entstanden sind (den es aber mittlerweile nicht mehr gibt). Soviel zur Arbeit - denn der Amazon schenkte natürlich auch Freude. Auf unzähligen Urlaubsfahrten, unter anderem nach Dänemark, Schweden und Schottland, hat uns der Amazon nie ernsthaft im Stich gelassen; insgesamt hat er 100000 km in meinem Besitz zurückgelegt. Sicherheitshalber war ich aber Mitglied im schottischen Volvo-Club SCOTVOC und bin noch im schwedischen PV-Klubben.
Da bei unseren Bekannten und Verwanten die Autos eher dünn gesät
sind, mußte der Amazon für alles herhalten - auch schon als
Hochzeitsauto, meist jedoch nur als Taxi-Ersatz. Hier möchte ich einmal
Regines Tanten danken, die das Volvo-Hobby so mitfinanziert haben.
Der Puck und die FolgenNatürlich wollte meine Liebste auch unbedingt einen Volvo haben, und so erstanden wir 1991 einen Buckelvolvo (544) von 1960. Diesmal achtete ich besonders auf die gute Blechsubstanz, nach all dem Gebastel am Amazon. Erste Aktion war das Entfernen der VW-Käfer-Blinker, die ein Ignorant für den TÜV auf den Kotflügeln angebracht hatte - die Löcher hatten 1cm Durchmesser...![]() Wegen des Nummernschilds HH-PU 72 war der Buckel sofort der "Puck". Leider war der Puck nicht immer artig, die 6-Volt-Anlage erwies sich als recht störrisch, auch der B16 wurde seinem mittelmäßigem Ruf gerecht. Der Puck wurde benötigt, um Regine zu ihrem Pferd zu bringen, daß in knapp 30 km Entfernung untergestellt war, und das schaffte er meistens ganz gut. Es war aber klar, daß der Buckel irgendwann auf 12 Volt und B18-Motor umgerüstet werden sollte. Daher hielt ich nach einem Schlachtbuckel Ausschau, der die entsprechenden Teile spenden sollte. Zusammen mit dem Organspender kauften wir (im günstigen Doppelpack) einen recht maladen Duett mit Sonderkarosserie.
Dieser ist ein ehemaliges Feuerwehrfahrzeug mit einer extra Tür auf der linken Seite, etwa 50 cm länger als der normale Duett. Leider fehlt z.B. der Kofferraumboden, den ich aber als Reparaturblech aus Holland besorgen konnte. Mittlerweile gehört der Duett schon seit einigen Jahren meinem Mitschrauber Holg, der nach wenigen Jahren des Planens und Überlegens mit den ersten Arbeiten begonnen hat. Dem Puck platze eines Tages die Wasserpumpe, was ganz gelegen kam, denn so konnte ich Puck auf Eis legen und ihn in aller Ruhe restaurieren - kein Pfusch, diesmal wollte ich alles richtig machen. Seit dem 29.12.93 ist er nun abgemeldet, und es geht langsam, aber stetig voran. Schließlich mußte ich nebenbei auch noch mein Studium beenden. Berufsleben und die (teuren) FolgenAber schließlich hatte ich mein Diplom in der Tasche, und hoffte nun, in ein geregelteres und wolhabenderes Leben überzutreten, das Berufsleben nämlich. Natürlich hatte ich mehr Geld, von einem der ersten Gehälter wurden erst einmal sämtliche Vorderachsteile für den Amazon neu besorgt. Mit dem Beruf kam aber auch die Reiserei. Wer hätte gedacht, dass man für Softwareprojekte so viel unterwegs sein muss? Für zwei verschiedene Arbeitgeber und in zahllosen Projekten war ich mittlerweile in Bonn, Frankfurt, Hannover, München, Berlin, Stuttgart und wieder Bonn eingesetzt. Klar, das man sich nur schwerlich Restaurierarbeit ins Hotel mitnehmen kann. Am Wochenende wurde das an Sozialleben und Wäschewaschen nachgeholt, was unter der Woche ausfiel - also wenig Zeit, um selber zu restaurieren.
Der Puck war irgendwann vollständig zerlegt, Ende November '96 kamen die Reparaturbleche vom schwedischen PV-Klubben, und der Puck ging zum Karosseriebauer. Nach dem Sandstrahlen kamen einige Macken zutage. So waren die Türen doch zu angeknabbert, um sie so zu lassen. Am schlimmsten war jedoch der kunstvoll reparierte seitliche Unfall, der jetzt sichtbar wurde. Hier hätte man die Notbremse ziehen können, aber was bekommt man für so ein Auto? Richtig, nichts. Außerdem: Wenn es nach Vernunft ginge, würden wir alle Golf fahren. Etliche Scheine später war der Puck dann lackiert und mußte 'nur noch' zusammengebaut werden.
Ja, ja. der Zusammenbau... Im Winter 98/99 habe ich den Puck in meine Garage verlagert, und die Türen und Seitenfenster bestückt. Die Achsen wurden komplett gestrahlt, überholt, das Innenleben teilweise gelbchromatiert. Im Frühjahr wurden die Achsen eingebaut. Dann war erstmal Pause, da unsere Hochzeit einiges an Vorbereitung erforderte. Im Winter 1999/2000 wurden die Bremsleitungen verlegt, viele chromatierte Kleinteile wieder montiert, und Front- und Heckscheibe eingebaut. Episode RatzAmazonen gab es auch noch zwei bis drei. Den einen habe ich nur wegen der Hinterachse gekauft und sofort geschlachtet. Nettes Detail war ein Golde-Stahlschiebedach, das ich aufbewahrt und später verkauft habe. ![]() Dann gab es noch den Roten Amazon, kurz Ratz. Diesen erstand ich im Dezember 1996 für DM 1000,-, als billigen Zweitwagen. ![]() Ratz entwickelte allerdings etliche Macken, die darin gipfelten, daß der Motor auseinanderflog. Offensichtlich war zuvor niemals ein Ölwechsel gemacht worden, alle Kanäle waren verstopft. Dieses Unglück koinzidierte mit zwei Ereignissen: Regines Pferde fanden eine neue Unterstellmöglichkeit in unmittelbarer Nähe, und ich mußte nach Bonn (s.o.). Damit war weder Bedarf noch Zeit für ein zweites Auto. Ich verkaufte Ratz an einen Freund zum Ausschlachten. Merke: Wenn Du einem Auto einen Namen gibst, macht es Ärger. Mit anderen Volvoniacs zusammen habe ich noch einen Automatik-Amazon und eine weitere rote Zone ("Billy Billig") geschlachtet. Aber wohin nur mit den Teilen? Modernere Zeiten
Der weiße Ur-Amazon, den der Puck eigentlich schon längst entlastet haben sollte, sah mit der Zeit immer unmöglicher aus. Seit dem Schwedenurlaub im Juli '97 hatte er eine neue, wirklich gute Tür - allerdings in Dunkelgrau. Nach einem Unfallschaden kam noch ein Kotflügel in Schwarz dazu. Zeitmangel und Blechmängel führten schließlich zu folgender Lösung: Der Amazon wurde erstmal eingemottet und sieht besseren Zeiten entgegen. Im Alltag nutzen wir seit 1998 einen Volvo 745 GL mit Automatik, Schiebedach, Alufelgen, und vielgenutzter Anhängerkupplung. Wegen letzterer wird er auch Captain Hook genannt. Bis auf Probleme mit den Vorderbremsen, die in jedem Schwedenurlaub auftreten, ein angenehmes und zuverlässiges Gefährt.
Für den Amazon gibt es neue Perspektiven: Zur Hochzeit haben wir von unseren Freunden eine Amazon-Karosserie in einem hervorragenden Zustand bekommen. Es muß also 'nur' lackiert und die Technik umgebaut werden. Das wird wohl eher ein Projekt für meinen Erben, dazu kommen wir aber erst gleich. Das Getüm1999 war mit dem Puck noch nicht viel passiert. Da aber nicht noch eine Saison ohne Fahrt im eigenen Volvo-Oldie stattfinden sollte, war es eine geniale Fügung, daß Mit-Volvoniac Frank seinen Amazon verkaufen wollte - nach 15 Jahren. Sicher keine leichte Entscheidung, aber wenn man Familie, Haus und einen Carport voll Motorräder hat, ist vielleicht für genügend Ablenkung gesorgt.
So kam ich in den Besitz des Getüms, seines Zeichens Amazon der letzten Baureihe, also 1970. Frank hat das Auto 1992 komplett restauriert, die originale Maschine wurde von der Firma Ruopp überholt und leicht getunt - 85 kw sind eingetragen. Bei der Zulassung kam mir zugute, dass der Puck schon so lange abgemeldet ist - die PU-Nummer war mittlerweile von der Zulassungsstelle wieder freigegeben, so dass ich die Nummernschilder fürs Getüm wiederverwenden konnte. Allerdings nur für kurze Zeit, denn zum 30. Geburtstag des Getüms folgte die H-Abnahme. Das Getüm ist mittlerweile fester Teil der Familie und als Zweitauto unverzichtbar. Hier gibt es ein kleine Fotogalerie! Viele neue VolvoniacsAbende im Hotel beschleunigen nicht die Schrauberei, aber die Website profitierte sicherlich davon. 1999 ging sie als volvoniacs.de mit neuem Design online. Als ungeahnter Überraschungserfolg entpuppte sich das Online-Forum. Die erste technische Plattform (Ezboard) konnte nicht so ganz überzeugen, weil der Benutzer mit Werbung überhäuft wurde, wofür ich nichts konnte, aber trotzdem gerüffelt wurde. Das selbstbetriebenen Jive-Forum auf Java- und JSP-Basis wurde dann 2002 als volvoniacs.org auf die Netzgemeinde losgelassen. Dank vieler freundlicher Mitglieder boomt das Forum wie verrückt. Bezeichnete Volvoniacs zunächst die Mitglieder der Werkstattgruppe in Hamburg, so identifizierten sich immer mehr Leute mit der Volvoniacs-Philosophie. Mitglieder gibt's von Nordschweden bis zur Schweiz, von Elchingen bis in die USA. Was habe ich da bloß angestellt... Ein ganz besonderer VolvoniacEigentlich war für solche Dinge gar keine Zeit. Schließlich wurde 2001 unser Sohn Leander geboren! So ein kleiner Mensch kann seine Eltern ganz schön auf Trab halten. In meinem halben Jahr Elternzeit (früher sagte man fälschlicherweise Erziehungsurlaub) hatte ich mir vorgenommen, nebenbei ein wenig mit dem Puck voranzukommen. Beim nächsten Kind weiss ich es aber besser :)
Falls der arme Junge mal mit einem Volvo-Trauma zum Seelenklempner muss, kann er mit Recht seine Eltern beschuldigen. Immerhin war er 2002 wohl der jüngste Teilnehmer beim VROM. Es dauert ja auch nicht mehr lange, und er kann beim Restaurieren helfen. Als Vater muss man sehr gut aufpassen, dass die Mutter den gemeinsamen Spross nicht zu sehr für die Pferde begeistert - der Jung soll schrauben!. Volvo kann er natürlich schon sagen. (Theoretische) Camping-Freuden
Die Idee, einen Wohnwagen für kleine Familienausflüge anzuschaffen, hat nicht ganz so funktioniert wie gedacht. Der von mir auserkorene Fahti-Wohnwagen bietet zwar eine Namen, mit dem ich mich gut identifizieren kann, gute Exemplare sind aber nur für Beträge jenseits des Familienbudgets zu bekommen. Entsprechend entpuppte sich der 2003 erworbene Fahti dann als zu aufwändiges Projekt. Dank Ebay bekam ich mein investiertes Geld zurück, es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis der Käufer von den Fidji-Inseln das Gerät tatsächlich abgeholt hatte. Hintergrund war auch, dass man mir einen SMV 12 von 1966 angeboten hatte. Den ich natürlich kaufte. Und der sich binnen Jahresfrist wieder als Projekt herausstellte. Der SMV ist nämlich eine geniale, aber leider auch etwas empfindliche Konstruktion. Der konsequentem Leichtbau besteht aus einem Holzgerippe mit Alubeplankung (hat da jemand "Airstream" gesagt?). Innen ist alles sehr wohnlich mit Holz verkleidet. Dringt nun aber Wasser ein, und steht in der Aluhülle, so faulen die tragenden Streben weg. War bei meinem leider auch der Fall. Es gibt schon einen Plan, wie das gute Stück noch zu retten ist, aber der ruht leider - trotz neuem Job bleibt mit Familie, Haus, Garten, Volvo-Forum etc. zu wenig Zeit. Aber die zwei Familienausflüge 2004 waren toll! Bildergalerien: SMV vor der Restaurierung, während der Restaurierung. Das Getüm bekommt zur Zeit (August 2007) eine Blechkur, es waren doch einige Stellen zu machen. Danach werden sich wohl unsere Wege trennen, denn sonst werde ich nie mit dem Puck fertig werden. Oder mit dem SMV. Leander kommt dieses Jahr zur Schule, vielleicht hat er ja bald Lust, sich des weißen Ur-Amazons anzunehmen. Wenn er mein Tempo geerbt hat, ist er bis zum Abi auch fertig. Einen Blaumann hat er jedenfalls. Christoph Wienberg To be continued... |