Das Schicksal von Alexander D.


...geschildert von ihm selbst...

Für den Juli 1993 entschloß ich mich, zusammen mit zwei Freunden, zum ersten Mal nach Schweden zu fahren. Die drei Wochen wurden für eine Rundreise durch die südliche Hälfte des Landes verwendet.

Am nördlichsten Punkt unserer Reise machten wir für vier Tage Station in Hede. Das liegt südlich von Östersund. Auf der Suche nach dem Campingplatz sah ich ein weißes, wunderschönes Auto, mit Hilfe seines roten (!) Blinkers von der Landstraße in den Ort einbiegen. Ich hatte so einen Wagen noch nie zuvor gesehen. Da wir aber zum Campingplatz wollten, konnten wir den Wagen nicht verfolgen.

Kaum hatte ich dann meine Sachen in der Campinghütte abgestellt, zog es mich noch einmal in den Ort. Ich wollte doch unbedingt herausbekommen, was das für ein Auto war. Meine Hoffnungen, den Wagen noch einmal zu sehen, waren leider vergeblich.

Ich war überrascht (und natürlich auch erleichtert) als ich am nächsten Tag gegenüber vom Supermarkt wieder so ein Auto sah. Diesmal in grau. Es parkte dort, so daß es mir nicht noch einmal entwischen konnte. Es war ein Volvo! Ich war fasziniert von der großen Motorhaube, den relativ kleinen Fenstern und dem schönen Armaturenbrett. Eigentlich von ganzen Auto. In dieser Farbe sah es aus wie ein Gangsterauto aus den 40er Jahren. Ich versuchte mir sofort vorzustellen, was für ein Erlebnis es sein müsste, mit diesem Auto zu fahren. Die Fotos, die ich machte, sind natürlich nichts geworden, da die Batterie leer war und der Film nicht weiter transportiert worden war. Sch.... .

Was jetzt folgte, kann ich nur sehr schwer in Worte fassen. Bei allen Sachen, die ich machte, dachte ich immerzu an dieses Auto. Dieser Wagen hatte mehr Charakter als jedes andere Auto, was ich zuvor gesehen hatte. Hinzu kam, das dieser Oldie als Alltagsauto benutzt wurde. Niemanden hier (außer uns) schien dieses Auto in Erstaunen zu versetzen. Das gefiel mir.

Ich suchte in den Zeitschriften, die ich mir am folgenden Tag gekauft hatte, nach dem Volvo. Viermal wurde dieser Wagen angeboten. Alle so um die 20.000 Kronen. Das ließ mich weiter von einem zukünftigen Besitz träumen.

Zurück in Hamburg rang ich jeden Tag um die Entscheidung, ob ich diesen Schritt, einen Oldtimer zu kaufen, machen sollte. Um meine Entscheidung zu erleichtern, kaufte ich mir nach und nach alle Bücher, die es über den Buckelvolvo gab. Ich laß die Bücher mehrmals von vorne bis hinten durch. Nach einigen Monaten wußte ich genau, welches Modell ich haben wollte (C-E Special, Farbe egal).

Am 12. Juli 1995 (auf den Tag genau zwei Jahre nach dem ersten "Kontakt" mit einem PV544) habe ich zum ersten Mal den Volvo Stammtisch Hamburg besucht, um Antworten auf die letzten offenen Fragen zu bekommen.

Dann machte ich mich auf die Suche. Nach nur sechs Fehlschlägen hatte ich ihn dann gefunden. Seit dem 1. November 1995 bin ich nun stolzer Besitzer eines graphitgrauen PV544 Special von 1963.

Ein Jahr danach kann ich nur sagen, daß sich die fast zweieinhalb Jahre warten gelohnt haben. Es hat viel Spaß gemacht, sich während dieser Zeit aus den verschiedensten Quellen zu informieren. Und jetzt macht es noch mehr Spaß mit dem Auto, von dem ich soviel gelesen und geträumt habe, zu fahren. Es bestätigt mir Tag für Tag die richtige Entscheidung.

P.S: Seit einigen Tagen schwebt mir noch ein Auto im Kopf herum. Natürlich auch ein Volvo. Es ist ein 240er. Der muß aber unbedingt in orange sein, möglichst Baujahr 1978....na ja, weiter bin ich noch nicht. Aber ich habe ja noch viel Zeit.

...tja, und im August hatte ich dann endlich einen passablen 240er gefunden. Es ist ein 244 DeLuxe von 1975 geworden. Das Auto habe ich aus erster Hand gekauft. Mit 140 tkm auf der Uhr und Sonderausstattungen wie Automatikgetriebe und hinteren Kopfstützen. Mit der Farbe orange hat es zwar nicht ganz geklappt. Dafür ist der Wagen aber in einer ähnlichen Farbe: ocker (Code: ?).

Und warum kauft man sich nun so einen Volvo 240er? Nun, er ist groß, kantig mit klobigen Stoßstangen und man braucht schon starke Geschmacksnerven, um die Kombination von ocker (außen), grün (Sitzpolster; wobei ich immer noch nicht weiß, ob das original ist...), braun (Türverkleidungen) und schwarz (Armaturenbrett) aushalten zu können! Es leben die 70er! Meiner Meinung nach ist der 240er (nach dem PV 444 / PV 544) der wichtigste Wagen für die Firma Volvo gewesen. Auch ein Grund, dieses Fahrzeug zu erhalten.

Übrigens in Schweden werden diese Autos "sosse-container" genannt. Das heißt soviel wie "Sozi-Container". Ich möchte aber betonen, daß dies absolut kein Kaufgrund war!


[Zurück: Volvo-Schicksale]  [Start: Volvoniacs]