Das Schicksal von Axel P.


...nicht verwandt mit der Familie P aus den Schicksalsberichten...

Seit ich denken kann, interessiere ich mich für Autos. Vielleicht liegt es daran, dass meine Mutter mit mir zusammen ihren Führerschein gemacht hat - im 9. Monat schwanger. Die Sommer meiner Kindheit genoss ich in Schweden, und dort weckten diese eigenartigen Autos mein Interesse, die es in Deutschland kaum zu sehen gab. Schon früh war klar: Ein alter Volvo muss her. Anfangs standen dem drei Dinge entgegen: Ich hatte keinen Platz zum Abstellen und Schrauben, ich hatte nicht die geringste Ahnung von Technik, und vor allem hatte ich noch keinen Führerschein. Aber endlich alt genug, mit frischem Lappen und nach einer kurzen, schönen Käfer Eskapade wurde im Sommer ’94 der Traum verwirklicht: Ich fuhr nach Schweden, um ganz gezielt (man hatte sich ja vorher in Kaufberatungen schlau gemacht) einen Duett mit B18 Motor mitzubringen - leider gab es keinen. In Torschlusspanik wurde dann am letzten Tag ein Olivgrüner B16 Buckel gekauft - komplett mit allen typischen Mängeln, die man so kennt - wie war das mit den Kaufberatungen? Die Probefahrt war das erste Mal, dass ich in einem alten Volvo saß...

Mit kaputten Bremsen, ohne Blinker und Scheibenwischer, tief entladener Batterie (eine zweite stand im Beifahrerfußraum, mit Starthilfekabeln durchs Austellfenster...) und hohlem Auspuff ging es auf eigenen Rädern im strömenden Regen Richtung Deutschland. Nach ca. 30 Kilometern endete die Fahrt dann auch schon - doch zum Glück fehlte nur Benzin. Ein halbes Jahr und unzählige Fluche später hatte er dann auch endlich TÜV (der schönste Moment meines Lebens?), und ich tuckerte stolz durch die Gegend. Obwohl ich nie wieder liegen blieb, bahnte sich irgendwie eine Vollrestaurierung an, weswegen ich mich nach knapp zwei Jahren wieder von diesem doch recht verbastelten Exemplar trennte - aber nicht vom Buckelvolvo!

Viele Monate des wehmutvollen Hinterherguckens vorbeirauschender Oldtimer folgten, dann war es nicht mehr auszuhalten. Vernunft hin oder her: Ich musste wieder so ein Auto haben! Und wieder ging es gezielt nach Schweden, diesmal um einen B18 Buckel zu kaufen - leider gab es nur Duetts. Ein paar Buckel fanden sich dann doch, und da sie immer schlechter und teurer wurden, entschied ich mich nach langer Rundreise für den Erstbesehenen: Ein 61er PV544 C in einem freundlichen Schwarz. Die Fahrt nach Deutschland verlief ähnlich wie Jahre zuvor, wieder war der Auspuff hohl und die Bremsen nicht perfekt, und wieder blieb ich liegen - an der gleichen Stelle wie Jahre zuvor (die Rampe hinter dem Fähranleger in Helsingör - toller Ort zum liegen bleiben...). Der Tank war voll genug - aber die Spritleitung verstopft.

Das war’s dann aber auch weitgehend mit Mängeln, und diesmal dauerte es nur zwei Wochen bis zur H-Zulassung - diesmal hatte ich auch ein besseres Exemplar erwischt. Wie gut, weiß ich erst jetzt, nach vielen tausend schönen Kilometern und mehreren Urlaubsreisen ins gelobte Volvo-Land.

Eine dieser Urlaubsreisen führte mich im Frühjahr 1999 in den Ort besagter Sommerurlaube früher Kindheit. Dort gibt es eine kleine Werkstatt, die einem Volvoliebhaber gehört - jahrelang am gepflegten P1800S im Vorgarten zu erkennen gewesen. Im Innern schlummern seit Jahrzehnten drei 444, und im Garten steht eine bunte Mischung von neueren und älteren Wracks - darunter drei PV’s. Einer davon bestach dermaßen durch Vollständigkeit, daß ich ihn mir als Ersatzteilträger anlachte. Die Bergung aus dem Morast machte Schweres Gerät notwendig: Der festgefahrene 242 samt getrailerten 544 wurde von einem Volvo Radlader spielend herausgezogen.

Es stellte sich heraus, das an dem Buckel am vollständigsten vor allem die Durchrostung war, eine Wiederbelebung fern jeder Vernunft. Schade eigentlich, denn die einzige Vorbesitzerin hatte nur 106 Tkm mit dem blauen Spezial zurückgelegt und sämtliche TüV-Berichte seit 1964 brav im Handschuhfach verwahrt. Am bemerkenswerten ist aber, dass auf einer Türverkleidung noch die Schutzfolie vom Werk vorhanden war, und sich unter den vermoderten Schonbezügen blitzblanke Sitze über die Jahre gerettet hatten. Der Gute stand noch 3 Jahre im trockenen und wurde nur ganz vorsichtig demontiert - bis dann doch die Entscheidung fiel: Schluss, Aus, Ende! Aber das ist eine andere Schicksalsgeschichte...

Bis Anfang 2001 war der schwarze "Axelerator" Alltagsauto und wurde für so manchen kuriosen Transport missbraucht. Dann bekam ich jedoch ein zu schlechtes Gewissen, den immer weiter verbesserten und verschönerten Wagen den Gefahren der Großstadt auszuliefern. Entastung bringt seither ein VW T3 California für den Urlaubs- und Alltagsbetrieb. Aber immer wenn es passt, wird der schwarze Renner aus seiner warmen Garage geholt und dann auch nicht geschont - ist schließlich ein Volvo!

Und wie geht es weiter? Nun - sobald irgendwo ein originaler 210 Pick-Up auftaucht, beginne ich stets nervös zu zucken. Bisher hat die Vernunft noch immer gesiegt. Bisher...


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