Es ist der zweite Tag unserer Kanutour durch Dalsland in Schweden. Am Tag zuvor sind wir vom Grunnerud Camp mit unseren Kanus gestartet und haben die erste Nacht auf einer kleinen, gemütlichen Insel verbracht, Ruhe und Natur genießend.
Heute steht jedoch etwas ganz anderes auf dem Programm, liegt doch fast unmittelbar am Foxen, dem zentralen See dieses Gebiets, einer der legendärsten Schrottplätze Schwedens. In der richtigen Bucht gelandet, folgen wir einem Schotterweg, der schon bald von einem Bach begleitet wird. Dessen rostbräunliche Farbe verheißt uns, daß wir auf dem rechten Weg sind.
Zwei Duetten, beide 445er, liegen sanft nebeneinander, nach der letzten Lieferfahrt (vielleicht 1965?) hier abgestellt.
Einem Buckel, der auf einem zweiten thront, fehlt das komplette Seitenteil; hier hat wohl eine Organspende stattgefunden. Aber auch das kann schon Jahre zurückliegen. Ein wenig weiter steht eine ganze Reihe Buckel Spalier. Anordnung und Menge erinnern an ein beliebiges Volvotreffen in Göteborg oder Vallåkra, nur daß die letzte Unterbodenwäsche bereits 20 Jahre her ist. Traurig und verlassen stehen sie da, aber zumindest nicht allein.
Ich kann nicht sagen, wie groß das Gelände ist oder wie viele Volvos dort stehen, man bräuchte sicherlich Tage, um die sich im Wald verlierenden Grenzen des Geländes zu erforschen. An einem Ende des Platzes hört man schwere Maschinen arbeiten, hoffentlich arbeiten sich die Bulldozer nicht zu bald zu den beschriebenen Fossilien durch. Man sollte sich nicht täuschen lassen: Auch wenn die Natur hier zumindest oberflächlich einen klaren Punktsieg über die Technik errungen hat, meldet sich doch das ökologische Gewissen, wenn man nackte B16-Motoren auf dem Waldboden liegen sieht. Ein geringer Trost ist jedoch, daß alles Öl, was hier jemals auslaufen konnte, schon längst im Waldboden versickert ist.
Nur schwer kann ich mich von diesem Ort losreißen, doch unsere Mit-Kanuten, nicht unbedingt so Volvo-verrückt wie meine Freundin und ich, wollen gerne weiter, nicht zuletzt wegen der Mücken. So verlassen wir also diesen Friedhof der Kuscheltiere, zurück zu den Kanus, zur Paddeltour und zur unverdorbenen Natur. Verdorben? Nun, selbst unsere Freunde, die in Sachen Umweltschutz sonst keinen Spaß verstehen, mußten zugeben, daß dieser Ort eine eigene Atmosphäre hat. Sollte mein Amazon einmal sterben, so wäre dies ein sehr würdiger Platz für seine Überreste.
Pet Cemetery - während in Stephen Kings Roman die Haustiere als seelenlose Zombies zurückkehren, ist es hier genau umgekehrt: Die hier ruhenden Autos haben ihre Seelen noch, nur ihre Hüllen verrotten.
Den Schrottplatz erreicht man natürlich auch über Land: Von der E 18 biegt man in Töcksfors an der Kirche in Richtung Süden ab. Nach ca. 20 km am See entlang, in Båssnäs, findet man den Schrottplatz. Achtung! Die Straße ist sehr schmal. Wer auf die Suche nach Teilen gehen will, sollte sich vor der Demontage mit dem Platzwart verständigen. Mein Dank geht an Bernd Poppe für die landseitige Wegbeschreibung, und an Thorsten Gressling, von dem die seeseitige Beschreibung stammt.