Klare Scheibe - der Aus- und Einbau der großen, durchsichtigen Dinger an beiden Enden des VolvosEs ist soweit. Wir haben es kommen sehen. Die Dichtung wurde spröde, es hat ‘reingeregnet , der TÜV hat die von Kieslastern verursachten Einschußlöcher im Sichtfeld nicht mehr ignorieren können - die Scheibe muß ‘raus. Schlimmer - nachher wieder ‘rein! Also: tief einatmen, die folgenden Zeilen lesen und Mut tanken. Zuallererst brauchen wir eine Einkaufsliste. Ist eine neue Dichtung
erforderlich (besser ist’s!)? Brauchts eine neue Scheibe? Ist der Scheibenrahmen
vergammelt?
Die Restauration des Rahmens soll hier allerdings kein Thema sein. Ist
er völlig oder teilweise weggerostet, wird es sowieso ungemütlich.
Verwendet man eine neue Dichtung, kann die alte einfach zerschnitten
werden. Das geht sehr gut von innen, da man gut an die Dichtung herankommt
und relative wenig schneiden muß. Damit ist außerdem eine schonende
Entfernung des Chromrahmens gewährleistet. Wenn die Scheibe mitsamt
der restlichen Dichtung und dem Chrom von innen herausgedrückt wird
(draußen steht der Helfer und fängt sie auf!), kann man in Ruhe
das Gummi aus dem Zierrat ziehen. Das wär’s schon. Möchte man
jedoch auf das alte, liebgewonnene Scheibengummi auch in Zukunft nicht
verzichten:
So weit, so gut. Doch wie kommt die Scheibe mit intakter Dichtung raus?
Die Prozedur beginnt mit dem Lösen der Dichtungen vom Scheibenrahmen,
am Besten mit den Fingern, ringsum, innen und außen. Eventuell ist
es hilfreich, ein wenig Schmierseife hinter das Gummi zu reiben, es "flutscht"
besser. Wenn man jetzt viel Mut und große Füße hat, kann
man sie tatsächlich von innen aus dem Rahmen treten, wenn man sich
rücklings hinlegt und die besockten Füße links und rechts
möglichst gleichmäßig auf der Scheibe verteilt. Wesentlich
sicherer ist folgende Methode: man besorge sich flache Holzstückchen,
ungefähr 4-5 cm lang und 1-2 cm breit. Dazu kann man Mundspatel bei
seiner Apotheke kaufen (die zum "Aaaaah-Sagen"...), einen Zollstock zersägen
(erst die Metallenden abschneiden!!), Eis-am-Stiel-Stiele sammeln,
Holzwäscheklammern ihrer Federn berauben - stabile Kunststoffteile gehen auch, nur
kein Metall, die Scheibe ist empfindlich!
Nun der Einbau: Das Gummi läßt sich in warmen Zustand leichter verarbeiten, daher legt man es vorher in einen Eimer mit heißem (nicht: kochenden!!) Wasser. Die Dichtung wird mit reichlich Scheibendichtmasse auf die Scheibe gezogen. Nach der kurzer Ablüftzeit wird das Wäscheseil in die Rille eingezogen. Terpentinersatz hat sich als Schmiermittel bewährt, ein bißchen Seifenlauge tut's auch. Nur kein Silikonspray! Schließlich muß in jedem Falle nachgedichtet werden, und auf Silikon haftet nun mal nichts. Wo waren wir? Ah, das Seil. Am besten funktioniert es, wenn man nahe jeder Ecke eine lange Schlaufe legt und diese innen auf dem Glas festklebt. Das so vormontierte Teil wird nun außen auf den Scheibenrahmen gelegt. Der Helfer übt außen leichten, gleichmäßigen Druck auf die Scheibe aus, während man innen Stück für Stück diagonal an den Schlaufen zieht und dabei die Gummilippe nach und nach über den Rahmen rutscht. Diagonal deshalb, weil es hilft, die Scheibe auf die Mitte zu zentrieren. Voilà! Nun muß durch Klopfen, Schieben und Drücken zugesehen werden, daß die Scheibe genau mittig sitzt und die Dichtung überall gleichmäßig anliegt. Bei restauriertem Rahmen, nachgebauten Scheiben oder nicht-originalen Dichtungen kann es dabei Schwierigekeiten geben, die später mit Dichtmasse ausgeglichen werden müssen. Das ist kein Pfusch, sondern sowieso absolut notwendig!! Also innen und außen zwischen Rahmen und Gummi nicht zu sparsam Dichtmasse einspritzen. Nach einigen Tagen können die Überschüsse abgekratzt werden (siehe auch TeqFaq Wasser marsch).
Holger Temmen
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