Kaufberatung Volvo Amazon


Typkunde

Eine ausführliche Typkunde gibt's hier (noch) nicht, zu diesem Thema gibt es anderswo schöne Webseiten oder Bücher, z.B. "Volvo - Die P120-Modelle" von Dieter Günther und Walter Wolf (2. Auflage). Das Buch ist auch wegen der umfangreichen technischen Tabellen zu empfehlen. Nur soviel: Der Amazon wurde von 1957 bis 1970 produziert. Wesentliche Einschnitte waren der Umstieg vom B16-Motor und 6-Volt-Anlage auf B18 und 12 Volt im August 1961 und die Einführung des B20 im August 1968. Den Amazon gab es als zwei- und viertürige Limousine sowie als Kombi. Neben dem 122 S als Sportmodell gab es für kurze Zeit den gesuchten 123 GT. Es gab aber auch ein Sparmodell, den Favorit, der keine ausstellbaren Heckfenster und weniger Chrom zu bieten hatte.

Blech

Das allerwichtigste ist unserer Meinung nach, ein Auto zu erwischen, das vom Blech her einwandfrei ist. Blecharbeiten sind meist uferlos und aufwendig, dort versandet das Geld (eigene Erfahrung!). Darum: Lieber ein bischen mehr investieren, und dafür länger Freude haben.

So schlimm wie auf dieses Fotos ist es selten, aber auch Volvos rosten!

Heck: Zur Schwellerecke durchgerostet  Radlauf (mit Wolfrace-Felge)   
Längsholm von unten  Längsholm von unten mit Querholm 
Radhausholm, Ansatz, Haubenscharnier ist demontiert  Radhausholm, Kotflügel ist demontiert 
Radhausholm rechts mit Absachluß Fußraum  Fußraum von innen - beachte den Fernlichtschalter  Radhausholm vom Motorraum 

Folgende Stellen sollten unbedingt geprüft werden:

  • Kotflügel um die Lampentöpfe und Anschraubkante der Kotflügel. Kotflügel gibt es zwar noch neu, diese kosten aber mittlerweile DM 640,- (+ Lackierung, +Montage)!
  • Radhausholm, Stehbleche: die vorderen Kotflügel sind auf dem Radhausholm aufgeschraubt, der vom Motorraum her als Stehblech sichtbar ist. Hier sind 80% aller Amazonen durch. Von dort und vom Radhaus her prüfen. Reparaturblech ist erhältlich, Einbau ist nicht ohne Aufwand - schließlich muss der Kotflügel hinterher wieder richtig sitzen!
  • Im Motorraum: Übergelaufene Bremsflüssigkeit kann unterhalb des Hauptbremszylinders zu Rost führen.
  • Türen, insbesondere Türunterseiten. Türen gibt es nicht mehr neu, und auch gebraucht fast gar nicht. Reparatur ist teuer.
  • Schweller
  • Radläufe hinten
  • Schwellerecken vor und hinter dem hinteren Radlauf
  • Kofferraumdeckel, umlaufende Falznaht von äußerem und innerem Teil (liegt auf dem Dichtgummi auf)
  • Kofferraum innen, Reserveradmulde, Ecken zu den Radhäusern. Matte und Reserverad rausnehmen, nicht nur anheben! Heckabschlußblech von innen checken.
  • Ecken unter der Rückbank zu den hinteren Radhäusern
  • vorderer Fußbodenbereich (Matte rausnehmen). Die Frontscheibe ist oft undicht, dann steht das Wasser unter den Gummimatten.
  • Allgemein auf Beulen und Wellen achten. Aufgebesserte Unfallschäden entdeckt man am ehesten von innen. Ob man allerdings die Seitenverkleidungen neben der Rückbank abnehmen darf, sollte man lieber fragen.
  • Passungen und Spaltmaße: Gerade wenn an dem Auto wegen Restaurierung oder Unfall gewerkelt wurde, stimmen oftmals die Spaltmaße nicht mehr. Die Abstände der Türen, Kotflügel und Hauben müssen gleichmäßig sein. Türen und Hauben müssen sich berührungsfrei öffnen und schließen lassen
  • Türscharniere müssen leichtgängig sein, die Türen dürfen nicht wackeln, wenn man die Tür im geöffneten Zustand anhebt
  • Limousine: Die Heckklappe muß von den Torsionsfedern sauber offengehalten werden.
  • Kombi: Die beiden Teile der Heckklappe neigen zu Durchrostungen und sind praktisch nicht zu bekommen.
  • Stoßstangen sind sehr teuer, die alten sind oft von innen her weggerostet, sehen noch gut aus, aber unter der Chromschicht ist nichts mehr

von unten

Eine Besichtigung von unten sollte unbedingt durchgeführt werden (bei einer Tankstelle oder Selbsthilfe nach Hebebühne fragen). Dort prüfen:
  • die vorderen Querholme gammeln sehr häufig (unter Fahrer- und Beifahrersitz)
  • Schweller, vor allem Schwellerecken vor dem hinteren Radlauf, jeweils von der Innenseite
  • Kofferraumbereich von unten
  • Motor, Getriebe ölig?
  • Achsen: Gummis, insbesondere die Manschetten an den Traggelenken der Vorderachse und an den Spurstangen.
  • Hinterachse: ölig?
  • vor der Hinterachse sitzen bei Amazonen mit Scheibenbremsen ein oder zwei Bremsdruckminderer (zylindrisch, an den Wagenboden geschraubt). Hier darf auf keinen Fall Bremsflüssigkeit austreten! Die Teile gibt es nicht mehr neu.
  • an der Kardanwelle wackeln, damit prüfen, ob die Kreuzgelenke zu viel Spiel haben, insbesondere das an der Hinterachse.

Technik

 Im Stand testen (Haube auf): Der Motor an sich ist unverwüstlich und in der Regel für 250000 km gut. Die Ventile dürfen hörbar tickern. Läuft der Motor ruhig, ohne zu schütteln? Dreht er sauber und ohne Geruckel hoch, wenn man Gas gibt? Ist das Gasgestänge nicht ausgeschlagen? Hat die Drosselklappenwelle am Vergaser Spiel? Ist der Motor ölig? Deckel vom Kühler abschrauben: Wenn Motoröl-Schlieren im Wasser sind, könnte die Kopfdichtung defekt sein, ebenso, wenn am Öleinfülldeckel weiß-bräunlicher Schaum abgelagert ist.
Wenn ein Kompressionstester vorhanden ist: Ist die Verdichtung auf allen Zylindern gleich? Der Wert variiert je nach Motortyp, sollte aber etwa 9-10 bar betragen.
Das Lenkgetriebe darf nicht ölig sein, evtl. auch von unten prüfen.
Gummis an den Achsen dürfen nicht rissig oder spröde sein. Die Gummis der oberen Querlenker sind im Motorraum zu sehen. Diese Teile sind aber alle neu erhältlich, eine Vorderachsüberholung ist ein schönes, überschaubares Projekt ;-)

Unbedingt eine Probefahrt durchführen! Auf Quietschen, Klappern, Jaulen achten.
Ein Getriebe zu ersetzen, ist kein so großes Problem, Hinterachsen sind schwieriger aufzutreiben - und zu testen.
Bei der Fahrt: Gibt es blaue Wolken, wenn man vom Gas geht (Schiebebetrieb)? Dann könnten, zumindest beim B20, die Ventilschaftdichtungen defekt sein (oder 1000 andere Dinge).
Ziehen die Bremsen gleichmäßig? Hat das Pedal einen Leerweg? Verringert sich dieser, wenn man mehrfach auf die Bremse tritt? Dann sind die Bremsen falsch eingestellt oder schlecht entlüftet.
Im Kofferraum schnüffeln: Riecht es nach Sprit? Der Tankstutzen oder der Tankanzeigen-Geber, mitten auf dem Tank, sind dann meist schuld. Gummimatte anheben, nachschauen. Ist der Kofferraum feucht, kann sich um den Tank auch Wasser sammeln, dann gibts Rost.

Zubehör

...ist immer Geschmackssache. Originalität ist manchen Leuten nicht so wichtig, steigert den Wert eines Oldies aber immer. Hier sollte man sich auch erkundigen, was in welches Baujahr gehört (eine Modellkunde gibt's vielleicht irgendwann in Zukunft an dieser Stelle).
Goodies sind auf alle Fälle
  • 5 1/2 "-Felgen (z.B. Kronprinz). Hier gibt es verschiedene Typen, drauf achten, daß alle 4 Felgen die gleiche Typbezeichnung tragen!
  • Kopfstützen gabs eigentlich erst in den letzten Baureihen, eine Nachrüstung ist aber akzeptabel, wegen der Sicherheit.
  • Liegesitzbeschläge waren (außer im 123 GT) immer ein Extra. Im Zweitürer ist es wahnsinnig praktisch, wenn man nur eine Hand braucht, um den Sitz nach vorne zu klappen!

Menschliche Beratung

Der wichtigste Tip zum Schluß: Unbedingt vor dem Kauf mit dem nächstgelegenen Volvo-Club oder Stammtisch Kontakt aufnehmen, bei den Clubtreffen viele Autos aunsehen, die Volvo-Freaks ausfragen, sich alles zeigen lassen, Clubmitglieder zur Besichtigung mitschleppen. Viele Enthusiasten würden am liebsten jeden Tag einen neuen Volvo kaufen, und haben durchaus Interesse, sich Autos anzusehen. Eine Anfrage im Forum kann da auch weiterhelfen.

Für Hamburg gilt: Versucht, den Verkäufer zu überreden, eine Probefahrt in die Honigfabrik zu machen. Dort hat jeden Samstag jemand Aufsicht, der gerne Tipps gibt. In der Regel kann man das Auto auch auf die Bühne nehmen. Bitte schaut auf die Aufsichtenseite und kontaktet die betreffende Person. Bitte ruft nicht bei mir (Christoph) an - ich habe selber zu wenig Zeit, um Kaufberatungen durchzuführen, und würde eh nur auf die Honigfabrik verweisen.


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